Ich bin Verhaltenstherapeut und gehöre einer verhaltenstherapeutischen Richtung an, die ihren Patienten möglichst bald wieder eine autonome und selbstverantwortliche Lebensweise ermöglichen will (so genannte Selbstmanagement-Therapie). Damit Sie sich besser auf diese Art von Therapie einstellen können, hier vorab einige Informationen.

 

Was ist Verhaltenstherapie?

 

 

 

Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht,

sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

                                                       SENECA

 

Die Verhaltenstherapie ist eine an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Therapierichtung. Sie geht davon aus, dass menschliches Erleben und Verhalten - aufbauend auf körperlichen Anlagen - im Lauf des Lebens größtenteils erlernt wird. Somit sind alle Menschen geprägt von ihren lebensgeschichtlichen Erfahrungen - im Positiven wie im Negativen.

Patienten kommen naturgemäß zunächst mit negativen Aspekten in die Therapie: mit emotionalen Belastungen, Schwierigkeiten, Konflikten, Problemen und Krankheiten. Sie erwarten zurecht Orientierung, Verständnis und Hilfsangebote zur Besserung der Beschwerden. Dazu ist erst einmal eine Phase der Klärung und der gemeinsamen Ursachenanalyse vonnöten, um passende Ansatzpunkte und Ziele für therapeutische Verbesserungen zu finden. Negative Lernerfahrungen und problematische Gewohnheiten lassen sich in der Therapie dann vor allem dadurch korrigieren, dass Patienten andere, bessere Möglichkeiten zum Umgang mit den Problemen erwerben. Dazu bietet die Verhaltenstherapie in den betreffenden Bereichen ein Umlernen oder NEU-Lernen an, hilft beim Finden neuer Perspektiven, vermittelt Fähigkeiten zur Lebensbewältigung und fördert außerdem die (immer vorhandenen!) persönlichen Stärken und Talente.

Auch wenn psychische Probleme, seelische Störungen und psychosomatische Erkrankungen auf Fehlentwicklungen in der Vergangenheit zurückzuführen sind, wissen wir, dass die menschliche Entwicklung einen lebenslangen Prozess darstellt. So besteht gute Hoffnung, selbst bei einer relativ „schwierigen“ Kindheit oder Vergangenheit durch eine Verhaltenstherapie viele positive Bewältigungsmöglichkeiten zu erwerben – nach dem Motto: „Was kann ich ab jetzt, trotz alledem, mit Blick nach vorn für mich erreichen?“

 

 

Was ist Selbstmanagement-Therapie?

 

Mit Hilfe des Therapeuten aktuelle Probleme lösen lernen, selbst wieder aktiv werden, sich (mit anfangs kleinen Schritten) wieder Boden unter den Füßen verschaffen, Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung - dies sind einige Schlagworte der sogenannten Selbstmanagement-Therapie.

Bei dieser "humanistischen" Form der Verhaltenstherapie nutzt der Therapeut alle wissenschaftlich fundierten Möglichkeiten, um das Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" systematisch umzusetzen. Auf diese Weise versucht er, seine Patienten in die Lage zu versetzen, in ihrem Alltag allmählich (wieder) selbst zurechtzukommen und am Ende der Therapie wieder ohne therapeutische Unterstützung leben zu können. Zwar kann der Therapeut seinen Patienten die Probleme nicht abnehmen oder sie an ihrer Stelle lösen; er hilft ihnen aber Schritt für Schritt dabei, das zu lernen und zu tun, was für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation notwendig ist.

Ähnlich wie ein Fahrlehrer ist er ein wohlwollender Begleiter, vermittelt neue Fähigkeiten, regt Veränderungen und bessere Lösungen an und hilft beim Beseitigen von Hindernissen, die dem Wohlbefinden im Alltag im Wege stehen (z.B. Ängste, Depressionen, negative Einstellungen usw.). Vieles ist auch als "Klärungshilfe" gedacht - z.B. Was sind eigentlich genau meine Probleme, was sind meine Ziele, wo stehe ich, wo will ich hin?

Wenn Sie als Patient die Anstöße Ihres Therapeuten aufgreifen und - im Rahmen Ihrer Möglichkeiten - aktiv mitarbeiten, leisten Sie einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Ihre Therapie gelingt.

 

©  Dr. Dieter Schmelzer

 

 

 

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